Lyricon

Die Flut

Eingemauert unter Stein und Fels,
da lag sie tief im Grabe,
meine Seele,
sorgfältig abgeschirmt,
unverletzbar und doch fast schon tot.

Die Luft war dünn,
es fehlte ihr an Licht
und meistens auch an Wärme.
Doch niemanden lies ich an sie heran,
sie ja nicht zu verletzen.

Da kam die große Flut,
riß alles weg,
was ihr im Wege stand,
auch meine Mauern,
Fels, Gestein und Sand.

Jetzt liegt die Seele frei und offen,
verletzlich ohne jeden Wall.
Rauhe Winde zausen nun an Ihr,
es trifft sie hart der Hagel und der Regen
und manch schmerzvoller Stich tut weh!

Meine Seele atmet wieder tief und frei,
die Lungen füllen sich mit frischer Luft.
sie blüht auf in wohl'ger Wärme,
entfaltet sich zum Licht,
zu einem neuem Leben.

Ja, nun lebt sie, meine Seele
ist nicht mehr kalt
sie glüht und kämpft
will Mauern nimmermehr
auch wenn sie dabei vielleicht untergeht.

Ein Leben in der Sonne Licht
so kurz es seien mag,
ist trotz der Gefahren, Schmerzen und auch Plagen
unendlich schöner
als hinter dunklen Schanzen.

Drum halte ich die Mauerer fern,
daß sie nicht wieder bauen ihr ein Grab,
schon lange, bevor sie gestorben ist.
Sie soll leiden und geniesen
offen für alles sein.

Sie soll leben, auch wenn es vielleicht nicht lange ist!




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01.09.2002 Weiterblättern >>>

 Im Widerstreit der Gefühle     Gedichte eines Erwachens
a.m.